
Wie eine Wassertonne meine Hand ruhiger macht
Meine Hand zittert nicht.
Wenn ich sie einfach hochhalte, bleibt sie ruhig.
Aber sobald sie etwas tue, sieht es anders aus.
Beim Sortieren meiner Tabletten.
Beim Brotschmieren.
Oder wenn ich eine Tasse durch den Raum trage.
Dann verliere ich schnell die Kontrolle über meine Hand.
Ein beladenes Tablett in einen anderen Raum zu tragen, ist für mich nicht möglich, ohne dass etwas herunterfällt.
Nur der Wunsch nach einer ruhigen Hand reicht leider nicht.
Eine ruhige Hand steht nie still
Ich stehe nie wirklich still.
Auch meine Hand nicht.
Mein Körper macht ständig winzige Bewegungen. Er korrigiert immer wieder nach, damit meine Hand scheinbar ruhig bleibt.
Eine ruhige Hand ist also gar keine völlig ruhige Hand.
Sie ist ständig damit beschäftigt, kleine Fehler auszugleichen.
Bei mir funktioniert diese Kontrolle nicht immer gut.
Ich hatte halt einen Schlag.
Ich muss das trainieren.
Aber wie?
Im 1-Minuten-Film „Slashpipe“ wird die Röhre in Größen und Aktion vorgestellt. Für den ganzen Körper. Sie hilft bei Kraft, Ausdauer, Körperhaltung und Koordination.
Ich entdecke ein Trainingsgerät, das mich an eine halb gefüllte Wassertonne erinnert.
Es ist keine Tonne, sondern ein durchsichtiges Kunststoffrohr. Etwa so dick wie ein Unterarm.
Darin befindet sich eine rosa Flüssigkeit.
Sobald ich das Rohr halte, bewegt sich die Flüssigkeit.
Eine kleine Bewegung reicht.
Ich muss ständig nachjustieren.
Muskeln und Gehirn bekommen keine Ruhe.
Genau das macht die Übung interessant.
Je mehr ich mich bewege, desto stärker reagiert die Flüssigkeit.
Das Rohr macht kleinste Bewegungen sichtbar.
Die Idee überzeugt mich sofort.
Ich besorge mir so ein Kunststoffrohr, eine sogenannte Slashpipe.
Ein kurzes, für eine Hand.
Mit zwei Händen ist mir das Ding zu unförmig.
Dann probiere ich es aus.
Und?
Nichts.
Ich übernehme keine einzige Übung.
Mein Körper findet nicht das, was ich mir vorgestellt habe.
Das war's?
So schnell gebe ich nicht auf.
Irgendwo muss doch eine Übung für mich darin stecken.

Monate vergehen.
Die Slashpipe liegt herum.
Was könnte meine Übung damit sein?
Dann habe ich plötzlich ein Bild vor Augen.
Eine Wasserwaage.
Heureka! Ich hab's.
Ich kann die Slashpipe wie eine Wasserwaage benutzen.
Ich strecke einen Arm aus und halte die Slashpipe waagerecht.
Die Flüssigkeit soll möglichst ruhig bleiben.
Das ist meine Übung.
Eigentlich könnte ich dafür auch eine normale Wasserwaage nehmen.
Aber die Flüssigkeit in der Slashpipe hat eine lang gezogene Oberfläche.
Schon kleinste Bewegungen lassen sie reagieren.
Genau das brauche ich.
Ich halte die Slashpipe so ruhig wie möglich.
Meine Hand muss ständig korrigieren.
Und ich kann diese Korrekturen sehen.
Das ruhige Halten wird zu meiner Übung.
Meine Hand wird immer ruhiger.
Mit dieser besonderen Art von Zielwasser.
Ich korrigiere meine Hand mit meinen Augen.
Die Slashpipe macht unsichtbare Bewegungen sichtbar.
Und genau das hilft mir beim Training.
Ich muss nicht mehr glauben, meine Hand ruhig zu halten.
Ich kann sehen, wie ruhig sie tatsächlich ist.
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