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Wie das Wasserbecken meinen steifen Körper lockert. Tai Chi im Wasser verbessert Schattenboxen auf dem Trockenen.
Ich kann mich nur steif bewegen, seit dem Schlaganfall. Ich bewege mich abgehackt und ungelenk, wie eine Figur aus der Augsburger Puppenkiste.
Ich kann aber ein Gefühl des Schwebens in meinen KURSIV steifen Körper bringen. Er bewegt sich dann leicht, locker und weich. Wie im Lied „Über den Wolken“ von Reinhard Mey. So ein Gefühl. Nur nicht über den Wolken sondern unten, beim spazieren gehen im Schwimmbecken. Dort lasse ich das Wasser seine Wirkung tun. Wie ein Mühlrad, das durch Wasser zu Leben erweckt wird.
Das Wasser schützt meinen FETT steifen Körper vor einem Fall. Gleichzeitig massiert es ihn bei jeder Bewegung. Es bleibt immer an mir dran. Lässt keine Lücke und tut dabei immer gut.
In diesem 4-Minuten-Video werden 16 Schrittfolgen unter Wasser gezeigt.
So ähnlich habe ich es auch gemacht. Allerdings hatte ich dabei keine Schuhe an und auch keine Handschuhe.
Was ist das Beste an der Reha in Bad Klosterlausnitz? Das Schwimmbad natürlich! Klar! Wer ein Becken nutzen kann, sollte dies tun.
Dort gibt es eine Aussicht nach draußen, an einer Stelle, an der niemand vorbei kommt. Es gibt einen Blick in einen anderen Raum, wo die Physiotherapeutinnen ihre Gruppen unterrichten. Einzelne Menschen sind nicht gut zu sehen und oft wird ein Sichtschutz davor gezogen. Es sind ja keine Kunstturner sondern auch Patienten mit ihren eigenen Problemen.
Das Schwimmbad selber ist nicht öffentlich. Es ist für Patienten ausgelegt und kein Wettkampfbecken für Sportler. Ich kann schwimmen oder auch gehen. Je nach Lust. Es wird nichts angeleitet. Tagsüber wird es zur Reha genutzt, von Physiotherapeutinnen und ihren Patienten. Am Abend haben Einzelpersonen Zutritt, wenn sie eine schriftliche Erlaubnis von der Ärztin haben. Das wird am Eingang kontrolliert.

Das Bild „Steifer Koerper wird hier leicht“ zeigt das Becken, in dem ich mich bewegt habe. Nicht exakt, es ist keine Fotografie. Es gibt aber die Stimmung sehr gut wieder.
Abgehackt gehe ich zum Bad, dusche mich, stelle meine Latschen zu den anderen und humpele mit meinem steifen Körper die Treppe herunter zum Wasser.
Je tiefer komme, umso mehr macht mein Körper eine Wandlung durch. Wie ein Fisch auf dem Trockenen, der wieder ins Wasser gelassen wird. In meinen Leib kommt Lockerheit, der bis gerade eben nur Steifheit kannte. Erst jetzt merke ich, wie sehr er Leichtigkeit vermisst hat. Mein Körper fühlt sich richtig wohl, zum ersten Mal seit dem Schlaganfall.
Ich genieße jeden Tag im Becken. Aus dem Schwimm-Becken mache ich ein Geh-Becken. Ein unbeschreibliches Gefühl für meinen doch starren Körper.
Im Wasser braucht mein Körper seine Knochen nicht. Das Wasser trägt mich. Mein gerade eben noch so steifer Körper geht nicht, er schwebt. Der Wasserwiderstand ist gering aber immer da. Der Widerstand bei jeder Bewegung trainiert den ganzen Körper. Ein Ganzkörpertraining ohne Anstrengung und ohne Verletzung. Dazu massiert der Wasserdruck.
Viele Bewegungen sind wieder möglich. Meine körperlichen Beschwerden spüre ich nicht, die ich sonst immer spüre. Sitzen, liegen, gehen machen sonst immer Probleme. Im Wasser nicht. Im Wasser bin ich schwerelos. Ich bin wieder beweglich, zumindest in meiner Vorstellung.
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Tai Chi im Wasser, das ist die Gelegenheit. Eine der vielen Ratschläge beim Tai Chi ist, ich soll mir vorstellen, ich würde auf dem Grund eines Sees üben. Jede Bewegung muss den Wasserwiderstand überwinden. Jede Bewegung kommt aus dem Körperzentrum. Im Becken muss ich mir das gar nicht vorstellen, ich kann es probieren.
Das habe ich getan. Ich habe Tai Chi geübt, unter Wasser. Die anderen im Becken haben davon gar nichts mitbekommen. Das kann ich nur jedem empfehlen. Tanzen unter Wasser.
Dieses Gefühl habe ich mir gemerkt, damit ich es auch ins Trockene übernehmen kann. Die Bewegungen waren nicht perfekt, bis auf eine Sache. Jede Bewegung kam aus dem Dantian, dem energetischen Zentrum des Körpers. Anders wäre es gar nicht gegangen.
Es war die Geburt des Physio Gong.
Fazit
Wasser verschafft mir ein Gefühl von Schwerelosigkeit. In meinem Körper steckt mehr, ohne dass ich mich dafür anstrengen muss. Es ist eine Kombination aus Training auf dem Trockenen und anschließendem Loslassen in Wasser.
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